Prof. Ina Schieferdecker vorgestellt


In der Reihe Zuses Enkel, eine Porträtseite vom “Projekt Zukunft” wird aktuell unsere Mitstreiterin bei D2B1, Frau Prof. Dr. Ina Schieferdecker, vorgestellt. Dr. Wolfgang Both im Gespräch mit der Designerin der City Data Cloud Berlin:

Was war Ihr prägendstes bzw. bedeutendstes Ereignis, das Ihre Leidenschaft und Affinität zur IT entfacht hat?

Ina Schieferdecker: Das war eher ein schleichender Prozess, denn ursprünglich wollte ich Ärztin wie meine Mutter oder Rechtsanwältin werden. Mein Vater war in der IT tätig und brachte sie mir nahe. Wir waren damals beispielsweise begeistert von einem Nachbau eines Commodore-Computers von Forschern der Akademie der Wissenschaften der DDR, den mein Vater mit nach Hause brachte. Darauf liefen schon viele kleine Programme – Spiele natürlich auch – und wir experimentierten mit ersten eigenen Programmen.

Was ist zurzeit Ihr wichtigstes, liebstes Projekt und warum?

Ina Schieferdecker: Meine Kollegen und ich haben uns in den letzten Wochen intensiv mit der City Data Cloud Berlin beschäftigt. Wir haben dazu eine Vorstudie angefertigt, die ich auf der Xinnovations vorstellte. Die Idee ist, eine Infrastruktur für öffentliche Daten nach den Open-Data-Prinzipien zu schaffen, um zum einen anderen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, Dienstleistungen auf Basis dieser Daten anzubieten und es zum anderen Bürgern zu erleichtern, besser informiert zu sein und sich an den Entscheidungsprozessen der Stadt beteiligen zu können.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen möchte Allergikern täglich Empfehlungen zusammenstellen, auf welcher Jogging-Strecke heute die geringsten Beschwerden zu erwarten sind. Dafür würden dem Dienstleister Zugriff auf die Geodaten, Informationen über Laufstrecken und aktuelle Umweltdaten nützen. Diese sind prinzipiell vorhanden, liegen jedoch bei unterschiedlichen Behörden und sind oft statisch abgelegt, so dass eine Weiterverarbeitung schwierig, wenn nicht unmöglich ist. Die City Data Cloud soll das ändern und rund um öffentliche Daten zu Umwelt, Stadtentwicklung, Verwaltung, Verkehr, etc. Unternehmen ansiedeln, die den Bürgern Dienstleistungen anbieten. Derzeit bereiten wir einen Piloten vor, der schon im nächsten Jahr ausgewählte Szenarien zeigen soll.
Parallel arbeiten wir an dem Konzeptpapier, das sich mit den technischen, organisatorischen, regulatorischen und rechtlichen Detailfragen einer Berlin City Cloud beschäftigt.

Wie meinen Sie, wird sich die IT in Zukunft entwickeln?

Ina Schieferdecker: Ich denke, wir stecken mitten in einem evolutionären Prozess: IT und TK sind aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken und diese Entwicklung wird weiter gehen. Kleinstcomputer werden immer und überall im Einsatz sein – wenn die Frage der Energieversorgung geklärt wird. Denn dies scheint mir das drängendste Problem in diesem Bereich derzeit. Und die Anwendungen und Techniken müssen sich noch besser in das Leben und das Arbeitsumfeld der Menschen integrieren lassen.

FOKUS und City Data Cloud Berlin
Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS erforscht und entwickelt bedarfsorientiert Lösungen im Bereich Kommunikationstechnologien. Der Forschungsbereich „Modellierung und Testen für System- und Dienst-Lösungen“ beschäftigt sich im Speziellen mit dem systematischen, modellbasierten und werkzeugunterstützten System-Engineering.
Das Projekt City Data Cloud Berlin, eine Initiative des Berliner Senats in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FOKUS, verfolgt das Ziel, Unternehmen, Organisationen und Bürgern der Stadt einen vertrauenswürdigen Zugriff auf städtische und öffentliche Daten zu bieten, um städtische Prozesse und Abläufe gemeinsam zu gestalten. Wie die Vorstudie des Fokus bekräftigte, stehen zahlreiche Informationen zwar schon zur Verfügung, jedoch sind die Daten bis dato in der Hoheit einzelner und nicht für andere zugänglich. Mit der City Data Cloud soll eine städtische Infrastruktur geschaffen werden, die diese Daten öffentlich bereitstellt.Weitere Informationen und die Vorstudie selbst stehen online zur Verfügung.

<ahttp://www.berlin.de/projektzukunft/standort-berlin/zuses-enkel/detailseite/datum/2010/11/15/prof-dr-ina-schieferdecker/

Head of Competence Center Modeling and Testing, Fraunhofer FOKUS

Profil:
• Studium: Mathematische Informatik an der Humboldt-Universität zu Berlin
• Wichtigstes Projekt derzeit? City Data Cloud Berlin
• Wichtigste Erfindung seit Zuse? Mobilkommunikation und Vernetzung: Sie durchdringen inzwischen die meisten Bereiche des Lebens.
• Berlin ist: DIE Stadt in Deutschland, nicht zuletzt wegen des hervorragenden wissenschaftlichen Arbeitsumfeldes

Kontakt:
Prof. Dr. Ina Schieferdecker
Fraunhofer FOKUS
Kaiserin-Augusta-Allee 31
10589 Berlin
Ina.schieferdecker@fokus.fraunhofer.de
www.fokus.fraunhofer.de/de/motion

Projekt Zukunft ist die bei der Wirtschaftsverwaltung angesiedelte Landesinitiative. sie optimiert die Wachstumsbedingungen für die Branchen, entwickelt Strategien, koordiniert Cluster und initiiert und fördert Projekte. Mit Veranstaltungen und Publikationen regt sie den Dialog mit der Öffentlichkeit an und vermittelt und vernetzt zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung.
Herzlich willkommen:

Grüne 2.0


http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gruene-wollen-Informationsfreiheit-2-0-entwickeln-1135963.html

Digitale Linke – gibt’s denn sowas ?


Hier ein Positionspapier vom 5. Oktober

http://blog.die-linke.de/digitalelinke/it%C2%B4s-the-internet-digitale-gesellschaft-in-der-linken-programmdebatte

Jetzt aktuell: Transparenz im Metropolenbezirk Marzahn-Hellersdorf


Im Rahmen der umfangreichen Initiativen zu mehr Transparenz geht die BVV Marzahn-Hellersdorf voran – m.W. auch beipielhaft in Berlin. Das Bezirksparlament überträgt seine Sitzungen per Livestream -
das ist gerade für jene Bürgerinnen und Bürger, die das zu Haus verfolgen wollen, ein toller Service.
Hier der Link und gerade JETZT wird übertragen, so dass das auch jeder mal ausprobieren kann,,,,
http://www.ustream.tv/channel/bvv-marzahnhellersdorf

Thesensammlung zur Journalismuszukunft von Christian Jakubetz


Ja, das beschäftigt nun alle sehr: die Zeitungsmacher und alle, die davon leben und natürlich jene, die dem traditionellen Journalismus irgendwie an die Wäsche wollen: indem sie Informationen schneller bereit stellen als die Tageszeitung zum Frühstück um acht – aber schaut nicht sowieso schon jeder abends gegen 22 Uhr in den Computer nach den Schlagzeilen von morgen ? Und wer hat noch Zeit, jeden Tag alle Zeitungen zu lesen – haben die jobintensiven Menschen nicht erst am Wochenende mal die Ruhe, und dann liegt da ( bei mir ) der dicke Freitag, die noch dickere Zeit – während ich die wirklich spannenden Texte schon Mittwoch schnell durchgegoogelt habe… Und erst die Kommentare: das wirklich skurrile an vielen Texten sind ja die Kommentare, die gehaltvollen oder völlig abartigen Zwischenrufe anonymer Nutzer. Also was macht der Journalist bei alledem ? Dazu gibt es viele Debatten und hier mal eine Thesensammlung, damit man nicht immer die Schreibmaschine neu erfindet…

Seine zehn Thesen zur Zukunft der Zeitung im Schnelldurchgang:
1. Das Zeitungssterben kommt schneller als angenommen
2. Die Wochenzeitung wird die neue Tageszeitung – und nicht umgekehrt
3. Die Tageszeitungen sparen sich zu Tode
4. Die Tageszeitungen vergreisen in den Redaktionen
5. Als nächstes wandert der Lokaljournalismus ins Netz ab
6. Journalisten und Verleger haben das Netz nicht begriffen
7. Tageszeitungen verschwinden in der Nische
8. Das iPad beschleunigt den Niedergang
9. Der generalistische Journalismus überholt sich
10. Die Tageszeitung sitzt zwischen allen Stühlen — und hat nirgends mehr Platz

Oder die Themen hier jetzt mal als positiv gewendet:1. Macht Journalismus im Netz, in Wochenzeitungen und für Tablets
2. Nehmt Euch innovationsfreudige Leute und baut thematische Vertikals
3. Macht mehr Online-Lokaljournalismus
4. Macht mehr dialogischen Journalismus, baut Plattformen des Austauschs

Wer mehr Zeit hat, für den lohnt sich auch die Langfassung
http://www.blog-cj.de/blog/2010/10/21/zehn-thesen-zur-zukunft-der-zeitung/

Nochmal ein Bericht vom Gastgeber in der Bertelsmann Stiftung


der so excellent die Vorbehalte des Verwaltung darstellen konnte…
was ist eigentlich aus unserer Kabarett-Idee geworden ?
( das darf nicht in Vergessenheit geraten )
http://globaler-wandel.blogspot.com/2010/10/government-20-camp-meets-at-unter-den.html
JW

Einladung zur Tagung Die Rolle des Staates in der Informationsgesellschaft 18. und 19. November


Deutsche Sektion des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften
Österreichische Verwaltungswissenschaftliche Gesellschaft Schweizer Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften in Zusammenarbeit mit dem
Bundesministerium des Innern Die Rolle des Staates in der Informationsgesellschaft 18. und 19. November 2010 in Berlin Tagungsort: Rathaus Schöneberg Goldener Saal John-F.-Kennedy-Platz 10825 Berlin
Tagungsort Rathaus Schöneberg Goldener Saal
John-F. -Kennedy-Platz 10825 Berlin
Deutsche Sektion des IIVW c/o Bundesinnenministerium
z.Hd. Herrn Dr. Hauschild Alt-Moabit 101 D 10559 Berlin
Programm auf der Website – Sie können sich auch elektronisch anmelden unter:
http://www.deutschesektion-iias.de>; Tagungen

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will online mitregieren


http://bit.ly/9NuO4u Hier ist der Link zur Studie

Laut einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichen repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest Dimap befürworteten 71 Prozent der Wahlberechtigten in der Bundesrepublik die Aussage, dass eine Online- Beteiligung der Bürger an den Entscheidungsprozessen die Demokratie verbessere und das Verhältnis zur Politik und Verwaltung verbessere.

Die Bereitschaft, sich über das Internet aktiv an der Gestaltung des politischen Lebens in einer Gemeinde zu beteiligen, fällt allerdings geringer aus. 32 Prozent würden sich «auf jeden Fall beteiligen», 37 Prozent «eventuell» und 28 Prozent «wahrscheinlich nicht» oder «nicht beteiligen».

Die Umfrage unter 1000 Wahlberechtigten wurde von dem Expertenkreis «Internet und Gesellschaft Co://aboratory» in Auftrag gegeben, in dem Experten aus der Internet-Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Online-Szene über netzpolitische Fragen diskutieren. Der Arbeitskreis wird von Google finanziell unterstützt.

Unterschiedlicher Meinung sind die Bürger bei der Frage, ob die Verwaltung verpflichtet werden sollte, nicht-personenbezogene Informationen wie etwa Sitzungsprotokolle, Haushaltsausgaben oder Landkarten offen und frei zu veröffentlichen. 45 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Arbeit der Behörden könne durch «Open Data» wirkungsvoller und offener gestaltet werden. 44 Prozent widersprechen dieser Ansicht. Anders als Angestellte und Freiberufler zweifeln insbesondere Beamte und Arbeiter an einer Verbesserung durch «Open Data». © sueddeutsche.de – erschienen am 13.10.2010 um 14:26 Uhr

Das Einmaleins des Open Government – erklärt in fünf Thesen von Anke Domscheit-Berg


Wie immer war es Anke Domscheit-Berg am 30. September 2010 gelungen, durch ihren fundierten und engagierten Vortrag beim G20camp in Berlin die Mitstreiter für die Thematik einzunehmen. Wer zweifelt, dem stellt sie durchdachte Argumente zur Seite, wer zu oberflächlich euphorisch wird, den kann sie mit ihrer Praxiserfahrung auf den Boden des Machbaren zurück bringen, wer Partizipation zu einer Männerliste machen will, den überzeugt sie mit der eigenen Präsenz.

Der Freitag hat ihren Beitrag abgedruckt und die wichtigen Thesen finden Sie auszugsweise hier:

“Der Begriff „Open Government“ für eine offenere, transparentere Verwaltung hat seinen Einzug in den deutschen Sprachgebrauch genommen. Er findet sich im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung in NRW ebenso wie im Regierungsprogramm „Transparente und vernetzte Verwaltung“ der Bundesregierung vom August 2010. Aber was genau ist Open Government, wie grenzt es sich ab von Government 2.0, warum ist Open Government eine gute Sache und wie lässt es sich schneller in der Praxis umsetzen? Mit den folgenden fünf Thesen möchte ich Antworten auf diese Fragen geben.

These 1: die geeignete Strategie für Government 2.0 ist Open Government

Government 2.0 ist die Nutzung von internetbasierten Technologien für die Interaktion von BürgerInnen und Staat. Über die Qualität dieser Interaktion ist damit per se noch nichts gesagt, man kann das Internet gut oder schlecht dafür nutzen. Wenn die Anwendung von Web 2.0 Methoden diese Interaktion jedoch erheblich verbessern soll, gibt es nur eine geeignete Strategie für Government 2.0 und das ist Open Government.

Open Government heißt eine Kultur der Transparenz, der Kollaboration und der Partizipation.

Transparenz beschreibt zum einen die Bereitstellung von Daten, die sich in öffentlicher Hand befinden und keinem Geheimnis- oder Datenschutz unterliegen zum Download für jeden. Umgesetzt wurden solche Datenportale bereits in vielen Ländern und Städten. Transparenz bezieht sich jedoch auch auf die Offenheit von politischen Entscheidungsprozessen (z.B. Stadtplanung, Haushaltsverfahren) sowie auf die Folgen von Entscheidungen. So stellt die US Regierung auf www.recovery.gov ihre Konjunkturinvestitionen und deren Wirkungen ausführlich dar.

Kollaboration wiederum bezieht sich auf eine bessere Zusammenarbeit mit Hilfe des Internets innerhalb einer Behörde, behördenübergreifend oder auch Verwaltungsgrenzen überschreitend. Der IT-Stab im Bundesinnenministerium nutzt ein Wiki, das „digitale Stadtgedächtnis“ von Coburg, wird von Historikern, aber auch von BürgerInnen mit lebendigen Erinnerungen gefüllt. Die Stadt Boston sucht auf Facebook und Twitter gemeinsam mit BürgerInnen nach gestohlenen Fahrrädern.

Partizipation ist das demokratischste Element des Government 2.0 und ohne Transparenz nicht denkbar. Gut informierte BürgerInnen können einen wertvollen Beitrag zur politischen Meinungsbildung leisten. Partizipation reicht von der einfachen Meinungsbefragung zu Wünschen und Ideen von BürgerInnen bis hin zu konkreten Online Beteiligungsverfahren, in denen Haushalte aufgestellt, Maßnahmen priorisiert oder Einsparungsvorschläge bewertet werden. Online-Haushalte gibt es inzwischen schon in vielen deutschen Städten. Die Stadt Essen entwickelte mit BürgerInnen online ein Lärmkataster, entwarf mit online gesammelten Ideen einen Lärmschutzmaßnahmeplan und stellte diesen dann zur Bewertung durch BürgerInnen erneut ins Netz.

Mit Open Government und den Prinzipien von Transparenz, Kollaboration und Partizipation kann ganz offensichtlich Government 2.0 sinnvoll eingesetzt werden.

These 2: Open Government verlangt einen Kulturwandel

Open Government ist nicht Technologie, sondern beruht auf neuen Werten, baut auf ein anderes Selbstverständnis von Verwaltung auf. Diese neuen Werte werden keinesfalls von allen begrüßt. Transparenz schafft mehr Überprüfbarkeit bei gleichzeitigem Kontrollverlust. Das macht Angst. Schwarze Schafe werden es in einem durchsichtigeren Staat genauso schwerer haben sich zu verstecken, wie Menschen, die sich beim Betreten von Neuland davor fürchten, Fehler zu machen. In der digitalen Gesellschaft mit ihrem Beta-Charakter muss jedoch auch eine deutsche Verwaltung mit dem Anspruch der Perfektion lernen, fehlertoleranter zu werden. Das Lernen selbst wird sich verändern – mehr Lernen durch Ausprobieren, mehr Lernen von den jungen Kollegen, mehr Lernen von der Zivilgesellschaft.

Die Erwartungen der BürgerInnen zu erfüllen, direkt und in Echtzeit mit „ihrer“ Verwaltung elektronisch kommunizieren zu können, verlangt ebenfalls große kulturelle Veränderungen. Auf einmal kann jeder Beamte zum Sprachrohr der Behörde werden – viele sehen in diesem Umstand weniger eine Chance, als das Risiko. Last but not least müssen Partikularinteressen überwunden werden, was einen Top-Down-Ansatz erfordert – mit anderen Worten, Richtlinienkompetenz muss in die Waagschale geworfen werden, wenn einzelne Behörden z.B. Geodaten gegen Entgelte verkaufen wollen, die Volkswirtschaft als Ganzes jedoch von kostenfrei zugänglichen Daten mehr profitiert.

These 3: Der Staat ist nicht mehr allein – der Staat bin ich (und Du auch)

Eine der gewaltigsten Veränderungen, die Open Government mit sich bringt, ist das Aufbrechen klassischer Wertschöpfungsketten – also wer letztlich Verwaltungsleistungen entwickelt und erbringt. Dies werden zunehmend Dritte – Bürger, Unternehmen, Zivilgesellschaft. „Crowdsourcing“ ist das Zauberwort, man meint damit die Weisheit der Vielen, die Kreativität der Community. Weltweit gibt es “Apps for Democracy”-Wettbewerbe, bei denen Dritte bürgerzentrierte Anwendungen entwickeln, die öffentliche Daten verknüpfen oder visualisieren. Werte im Umfang von Millionen Dollar wurden hier freiwillig und entgeltlos von der Zivilgesellschaft geschaffen. Bürger können komplexe Verwaltungsprozesse beschleunigen – wie die Genehmigung von Patentanträgen. Die US-Patentbehörde konnte ihre Bearbeitungszeit halbieren, seit sie alle Anträge ins Netz stellt und Nutzer in aller Welt Unterstützung leisten. Manche Prozesse – auch wissenschaftliche – werden erst durch Crowdsourcing machbar – die NASA lässt z.B. BürgerInnen online Krater auf dem Mars kartographieren, ein Unterfangen, das anders nicht finanzierbar gewesen wäre.

Aber Bürgerbeteiligung und Transparenz entstehen mitunter auch ungefragt und zuweilen sogar unerwünscht. Da werden Verschlusssachen auf Wikileaks veröffentlicht und mit Widerstand 2.0 gegen Stuttgart 21 mobil gemacht, das Abstimmungsverhalten Abgeordneter auf dem Parlameter des ZDF ist bequem abrufbar, Sicherheitslücken im neuen Personalausweis werden vom Chaos Computer Club gefunden, Parlamentsbefassungen durch eine zunehmende Anzahl erfolgreicher ePetitionen erzwungen. Ob man mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung will, kann ein Staat also nur bedingt entscheiden. Verhindern oder aufhalten lässt sich dieser Prozess im Zeitalter des Internets nicht mehr.

These 4: Ein Zugang für alle ist das Fundament für eine offenere Gesellschaft

Eine offene Gesellschaft ist offen für alle, nicht nur für Menschen in Großstädten oder Menschen, die Anwälte bezahlen können, um ihr Recht auf Informationsfreiheit zu verteidigen. Ein offener Zugang zu „Public Data“ muss daher auf einer Umkehrung der Norm basieren. Die Norm muss die kostenfreie Veröffentlichung von Daten in mehreren maschinenlesbaren Formaten sein. Abweichungen müssen gut begründet werden und sollten streng reguliert sein. Der künftige Staat ist ein gläserner, ist der maschinenlesbare Staat. Das Informationsfreiheitsgesetz ist ein zahnloser Tiger. Durch umfassende Transparenz als Norm kann es jedoch fast überflüssig werden, lohnen sich auch die Widerstände einzelner Behörden dagegen nicht mehr. Korruption und Verschwendung haben kaum eine Chance in einer solchen Welt. In dieser Art Demokratie wird jeder Bürger potenziell ein Mitarbeiter des Rechnungshofs. Das klingt wie eine Drohung, ist jedoch eine große Chance, da wir aufgrund der immensen Verschuldung der öffentlichen Hand auf die Kreativität aller angewiesen sein werden, um Staatsausgaben zu senken, bei gleichzeitiger Verbesserung der Servicequalität.

Ein offener Zugang ist auch nötig zum staatlich finanzierten Wissen – zu Forschungsergebnissen, die mit Steuergeldern finanziert wurden, ebenso wie zu unserem kulturellen Erbe, das über gute Breitbandverbindungen auch in der Uckermark oder in der Prignitz für jeden zugänglich sein muss. Unser Wissen und unsere kulturellen Schätze sind das Pfund, mit dem Deutschland wuchern kann, sind der Nährboden, auf dem im Land der Ideen die Innovationen entstehen können. Kreative Menschen gibt es jedoch nicht nur an den Universitäten. Wir können uns nicht leisten, diese Schätze nicht zu heben oder nur zum Teil. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die jedem einen Zugang zu all diesen Beteiligungsformen ermöglichen. Open Government ohne eine massive Breitbandinitiative ist daher nur eine halbe Sache und würde viele BürgerInnen vom Demokratiegewinn ausschließen. Alles das ist jedoch nur mit einer gemeinsamen und ehrgeizigen Vision machbar. Diese Vision sollte aus dem Kanzleramt kommen und am Bürgernutzen orientiert sein.

These 5: Open Government lohnt sich – auch wirtschaftlich

Die ideellen Vorteile durch Open Government (Erhöhung der Bürgerzufriedenheit, Akzeptanz-, Image- und Legitimationsgewinn) werden kaum angezweifelt. Aber Open Government hat auch eine rein wirtschaftliche Komponente, die häufig vergessen wird.

Dabei sind z.B. offene Daten eine neue Währung, im Sinne einer neuen Subventionsform. Mit der Öffnung staatlicher Datentresore werden Innovationen angeregt und Wirtschaftswachstum gefördert. Das Land Berlin veranstaltet den ersten deutschen Apps-Wettbewerb „Apps 4 Berlin“ – klar beworben als Maßnahme zur Wirtschaftsförderung. Zahlreiche Studien unterstützen diese Korrelation.

Wenn Verschwendung und Korruption verringert werden, spart dies Steuergelder. Wenn BürgerInnen Ideen für Prozessverbesserungen oder sinnvollere Priorisierung von Investitionen einreichen, spart das auch. Die Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 sind teuer, allein die Polizeieinsätze verschlingen Unsummen – gleichzeitig stehen diese Polizisten nicht für andere Aufgaben zur Verfügung. Immense Ressourcen werden gebunden, wenn Konflikte derart eskalieren – obwohl ein intensiver Beteiligungsprozess solche Eskalationen fast immer verhindern kann. Mehr Kollaboration allein innerhalb der Behörden kann den Zugang zu Expertenwissen erhöhen und damit Einarbeitungszeiten verringern, Job-Rotationen erleichtern und so unter anderem die negativen Folgen des demografischen Wandels in Verwaltungen reduzieren. Ein lebendigerer Austausch zwischen Verwaltungen trotz föderalem System kann Doppelarbeit reduzieren und Best Practices bekannter machen. Alles das führt zu direkten Einsparungen für die Öffentliche Hand.

http://www.freitag.de/positionen/1040-das-einmaleins-des-open-government

Was wollen die Berliner denn für Daten ? Erste Auswertung


Die Umfrage auf www.berlin.de , die bereits beim G20 camp viel Aufmerksamkeit erregte ( nochmals danke an alle, die mitgemacht haben ) zeigt ganz klar:

es gibt ein großes Interesse am Thema innerhalb der Akteure, viele interessieren sich für den offenen Aushandelungsprozess in Berlin.

Hier anbei erstmal eine erste Auswertung von Dr. Wolfgang Both:
auswertung Online Voting zu Open Data

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: