Re: Text von Daniel D. ( open data network) zum Wettbewerb


Lieber Daniel,

Du hast Dich im Netz zum neuen „Apps4berlin“ Wettbewerb positioniert und zum Dialog aufgerufen.
http://www.netzpolitik.org/2010/wirtschaftsfoerderung-made-in-germany-apps-4-berlin/#more-16175

Zu den zwei Sätzen, die sich richten gegen Mikrosoft ( die Vermutung, dass
Windows Phone 7 nur wegen des Sponsoring Beitrags auftaucht )
und gegen die eher positive Aufnahme durch das gov 2.0. Netzwerk ( „Ich denke es ist nicht unsere Aufgabe jede Initiative in Deutschland zu bejubeln“ ) sage ich nichts.

Wohl aber widerpreche ich dem erzeugten Eindruck, dass Du jetzt besonders investigativ bist und Lücken gefunden hast,
die die Senatsverwaltung “ da oben“ wohl verschleiern wollte. Das ist falsch.

1. Es ist nicht überraschend, dass die Wirtschaftsverwaltung einen Wettbewerb ausschreibt zur Wirtschaftsförderung !
Was sonst ? Jeder konnte und kann sich ganz und gar transparent einen Eindruck verschaffen. Was die Wettbewerbe „Berlin – Made to Create“ für Ziele haben, steht auf unserer Website, offen: „Die Förderung der Kreativ- und Informationswirtschaft ist eines der Hauptziele der Berliner Wirtschaftspolitik. Wettbewerbe sollen diesen Zukunftsbereichen zusätzliche Impulse geben und die Innovationskraft der Hauptstadtregion stärken. Berlin will die besten Ideen und Konzepte auf Grundlage eines transparenten Verfahrens finden und fördern. Mit der Wettbewerbsreihe „Berlin – Made to Create“ hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen ein Förderprogramm für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und freie Berufe des Clusters Kommunikation, Medien, Kreativwirtschaft ins Leben gerufen.“
http://www.berlin.de/projektzukunft/wettbewerbe/

Dass darüber hinaus auch genau bei diesem Wettbewerb Fragen der sozialen und bürgergesellschaftlichen Nutzung mit eingeflossen sind,
dass die Rede auch von demokratischer Teilhabe ist, ist gut, aber kein Grund, von einer Mogelpackung zu reden.

2. Es ist auch falsch, dass es sich um Mogelpackung „Open Data“ handelt,
abgesehen davon, dass das Wort in der Ausschreibung gar nicht auftaucht. Es wird keinesfalls versucht, mit dem Wort Open data zu operieren, damit mehr Interessenten zu gewinnen oder damit ein Thema abzuhaken, was in Wirklichkeit in Berlin noch nicht gut umgesetzt ist.
Ja, genau so ist es, Berlin ist auf dem Weg wie andere deutsche Städte auch !

3. Es ist nicht überraschend, dass es nicht genug Daten gibt,
ganz im Gegenteil, das hattet Ihr selbst im Sommer bereits festgestellt und dann in eigener Initiative
eine Aktion gestartet am 17. August 2010: „werde Datenpate“ !
http://opendata-network.org/2010/08/openberlin-werde-ein-datenpate/

TExt: „Die gute Nachricht: Anfang September wird die Stadt Berlin in einem Wettbewerb zur Entwicklung spannender Stadt-Anwendungen aufrufen. Ein Thema wird Demokratie sein, also die Nutzung öffentlicher Daten für partizipative Projekte. Die Idee hatten wir auch schon, deshalb würden wir das Projekt gerne unterstützen. Die schlechte Nachricht: Wer dafür eine gute Stadt-App oder einen Mashup bauen will, braucht Daten. Andernorts haben deshalb Städte im Rahmen von Apps4Democracy-Wettbewerben einige ihrer Datenbanken zur Verfügung gestellt. Nicht so Berlin, hier fehlt der Open Data-Aspekt bisher: eine offizielle Freigabe von Daten ist bislang nicht vorgesehen.Das wollen wir ändern.“

Es war Euer Weg, dafür Datenpaten zu finden, die dieses Defizit beseitigen.
Es war der
Ansatz der Senatsverwaltung, von Herrn Dr. Both, das Frauenhofer-Institut zu beauftragen. Und es war die Vereinbarung, sich dazu gegenseitig zu unterrichten, wie im Emailwechsel wieder betont.

Die Liste der Datenpaten hat sich seitdem nicht weiterentwickelt – zumindest ist es mir nicht bekannt.

Frau Prof. Schieferdecker vom Frauenhofer-Institut hat den Fortschritt ihrer Arbeit mit über 100 Datensätzen ( hin zu einer Plattform City Cloud Berlin ) gerade auf der Xinnovations vorgestellt !

http://www.xinnovations.de/internet-der-dienste.html

Ja, da ist noch viel zu tun ! Aber wenigstens ein klitzekleiner Verweis, dass Eure partizipative Aktion auch noch nicht weiter geführt hat,
und es einer gesamten Anstrengung bedarf, wäre ehrlich gewesen bzw. dann gilt es, die nächsten erforderlichen Schritte zu benennen.

4. Warum eine solche Polemik insgesamt kontraproduktiv ist
Ingesamt führt eine Positionierung wie Deine natürlich nicht in die Richtung partizipativen Dialogs,
dass hier Akteure an den Kisten denken: „he, da passiert was, hier müssen wir gemeinsam schauen, was daraus wird“ –
sondern zu Äußerungen wie „Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen führt das Kürzel „WTF“ offenbar zu Recht.“ *
Super gelaufen😦

Und – das ist vielleicht nicht immer so klar aus der Aktivistensicht und verlangt mehr Gespür für politische Prozesse  –
natürlich sind solche Aktivitäten wie der Wettbewerb auch ein Prozess, bei dem man erstmal den nötigen Druck erzielen will,
dass diesen eben mehr Leute als „nur Daniel Dietrich“ machen, und dass infolgedessen eben auch was passiert !

In diesem Kontext kann es nur ein Miteinander geben, keine Schuldzuweisungen oder einen intellektuellen Wettbewerb zwischen den
an Vorgänge und Zeitverläufe der Verwaltung gewohnten Akteure hier – und den nachts um eins bloggenden Aktivisten.

Mit bestem Gruss
Julia

* noch so ein sinnloser Kommentar: “die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen – ich weiss nicht was man da als Mann zu sagen soll…aber mittlerweile reichts, es gibt schon genug unnötiges xD“ ( wie netzzentriert sind Leute, die so einen Kram schreiben ? Denkt Ihr echt, die Politik fasst Ressort nach Wahlen zusammen, ob das pfiffig klingt oder zufälligerweise in der Nerdcommunity ein Schimpfwort meint ? Absurd )

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