Facebook und Social Network macht doof ?


Gestern abend den Facebook Film gesehen, sehr amüsant, gut gedreht, spannend, nur die Frauen kommen wie traditionell schlecht weg…
Egal, vor allem focussiert der Film den Blick auf das soziale Netzwerk, immer mehr Menschen werden sich nach dem Film da anmelden, nicht zu vergessen: die Nutzerzahlen der Menschen mittleren Alters ( 40-60) steigen. Was bedeutet ds ? 

Im Gegensatz zur These der Renaissance, die von der zunehmenden Demokratisierung und Aktivierung durch soziale Netzwerke ausgeht, gibt es im nachfolgenden sehr lesenswerten Beitrag von Jan-Felix Schrape die kritische Sicht auf eine Gesellschaft, in der sich alle zwar endlos vor der Kiste der Selbstillusion der Partizipation hingeben, aber schlimmstenfalls zu einer total beschäftigten Truppe werden, die das Sofa nicht mehr verlässt.

Lesen Sie hier :

„Soziale Netzwerke wie Facebook haben eine einschläfernde Wirkung auf uns. Wir netzwerken vor uns hin und sind doch nur Teil einer digitalen Scheingesellschaft.

Facebook gilt als die größte Erfolgsgeschichte unserer Tage: 2004 in Harvard ursprünglich nur für die dortigen Studierenden gegründet, belegt die Plattform derzeit den zweiten Platz im weltweiten Ranking der meistbesuchten Webseiten. Eine Erfolgsgeschichte, die einzig durch die Internetnutzer selbst möglich wurde, denn ohne ihren bahnbrechenden Zuspruch wäre Facebook noch immer ein Nischenangebot.

Facebook befriedigt unser Mitteilungsbedürfnis

Das Portal hat augenscheinlich zentrale kommunikative Bedürfnispunkte getroffen, die sich über alle gesellschaftlichen Milieus erstrecken: Ich kann mir mein eigenes digitales soziales Netz aufbauen, mich darstellen, tratschen, diskutieren und das Leben anderer Leute beobachten. Social Networks lösen so ein Versprechen ein, das mit dem World Wide Web von Anfang an verknüpft war: Sie ermöglichen privaten und öffentlichen Austausch, losgelöst von Raum und Echtzeit. Das Internet ist eine Wunderwelt der kommunikativen Möglichkeiten und Facebook die komplexitätsreduzierte Fassung davon, sozusagen der digitale Dorfplatz im viel zitierten “Global Village”. Im Unterschied zum Web an sich liegt dieser Teil der Netzöffentlichkeit mithin in der Hand eines einzelnen Wirtschaftsunternehmens, das durch personalisierte Werbung Geld verdienen will. Dies gibt Anlass zu vielen Bedenken, die nicht nur den Datenschutz betreffen. Offensichtlich aber wiegen die kommunikativen Vorteile für die Facebook-Nutzer schwerer als die in den Medien regelmäßig diskutierten Nachteile.

Entgegen allen Visionen und Utopien, die seit einigen Jahren die Öffentlichkeit durchkreuzen, führen Social Networks wie Facebook oder Social Media im Allgemeinen allerdings nicht zu einer übergreifenden Demokratisierung des gesellschaftlichen Diskurses oder gar zu einer Substitution der massenmedialen Berichterstattung: Hauptbestandteil der Kommunikation in sozialen Netzwerken bleibt wie bei flüchtigen Gesprächen auf der Straße der Klatsch, der als “sozialer Kitt” (Robin Dunbar) den größten Anteil in der menschlichen Kommunikation ausmacht. Ähnliches gilt für andere Social-Media-Angebote wie etwa Weblogs, die primär dem semiprivaten Austausch dienen und in den meisten Fällen über den eigenen Bekanntenkreis hinaus nicht abgerufen werden. Die verfügbaren empirischen Daten deuten denn auch kaum auf eine neue Ära der politischen oder journalistischen Partizipation im Netz hin.

Der kommunikative Müll nimmt zu

Social Media erhöht das kommunikative Rauschen im Netz, die meisten nutzergenerierten Inhalte scheinen für die gesellschaftliche Wirklichkeitsbeschreibung aber gleichsam irrelevant zu sein. Das allein ist noch nicht gefährlich. Angesichts der stetig steigenden Nutzungszeiten von Angeboten wie Facebook bei gleichbleibenden kognitiven Ressourcen der User stellt sich allerdings die Frage, ob durch Social Networks tiefgründigere Kommunikation oder politisches wie kulturelles Engagement nicht sogar verhindert wird. Auf Facebook lassen sich bequem Stunden mit Small Talk, Selbstbeschreibung und der Beobachtung anderer Profile verbringen, ohne sich in komplexere Themenbereiche einarbeiten oder in die Offline-Öffentlichkeit treten zu müssen. Und im Gegensatz zur Rezeption massenmedialer Angebote entsteht bei den Nutzern solcher Plattformen noch nicht einmal ein Gefühl der Passivität, denn sie sind ja aktiver Teil dieses kastrierten digitalen Abziehbilds gesellschaftlichen Lebens. “

Der lesenswerte Text steht unter
www.theeuropean.de/debatte/767-social-media

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