Wir freuen uns für die Koll. in Wien !


Kommende Woche am 25.11.2010 ab 19.00 Uhr findet der 1. offene OGD Austria
Stammtisch, diesmal im ‚…bin im leo‘ in 1090 Wien statt – der Stammtisch
wird in Zukunft alle 2 Monate stattfinden und immer über die Webseite der
OGD Austria angekündigt werden.

Alle am Thema interessierten Person sind herzlich eingeladen, mit der OGD
Austria rund um das Thema Open Government Data zu diskutieren, Projekte ins
rollen zu bringen, etc.
1. Offener OGD Austria Stammtisch
Wann: 25.11.2010, ab 19.00 Uhr
Wo: … bin im leo (Stüberl), Servitengasse 14, 1090 Wien
(http://www.bin-im-leo.com/)

Infos: http://gov.opendata.at

Anke Domscheit / Linkempfehlung: Open Government Ressourcensammlung


Hier ein Beitrag von Anke Domscheit, der die interessanten Links und Portale unserer Kollegen in Austria wundervoll zusammenfasst. An der Stelle ein lieber Gruss an die Herren Legat und Harms und Danke an Anke

http://www.gov20.de/opengov-links/#more-3234

Das Einmaleins des Open Government – erklärt in fünf Thesen von Anke Domscheit-Berg


Wie immer war es Anke Domscheit-Berg am 30. September 2010 gelungen, durch ihren fundierten und engagierten Vortrag beim G20camp in Berlin die Mitstreiter für die Thematik einzunehmen. Wer zweifelt, dem stellt sie durchdachte Argumente zur Seite, wer zu oberflächlich euphorisch wird, den kann sie mit ihrer Praxiserfahrung auf den Boden des Machbaren zurück bringen, wer Partizipation zu einer Männerliste machen will, den überzeugt sie mit der eigenen Präsenz.

Der Freitag hat ihren Beitrag abgedruckt und die wichtigen Thesen finden Sie auszugsweise hier:

„Der Begriff „Open Government“ für eine offenere, transparentere Verwaltung hat seinen Einzug in den deutschen Sprachgebrauch genommen. Er findet sich im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung in NRW ebenso wie im Regierungsprogramm „Transparente und vernetzte Verwaltung“ der Bundesregierung vom August 2010. Aber was genau ist Open Government, wie grenzt es sich ab von Government 2.0, warum ist Open Government eine gute Sache und wie lässt es sich schneller in der Praxis umsetzen? Mit den folgenden fünf Thesen möchte ich Antworten auf diese Fragen geben.

These 1: die geeignete Strategie für Government 2.0 ist Open Government

Government 2.0 ist die Nutzung von internetbasierten Technologien für die Interaktion von BürgerInnen und Staat. Über die Qualität dieser Interaktion ist damit per se noch nichts gesagt, man kann das Internet gut oder schlecht dafür nutzen. Wenn die Anwendung von Web 2.0 Methoden diese Interaktion jedoch erheblich verbessern soll, gibt es nur eine geeignete Strategie für Government 2.0 und das ist Open Government.

Open Government heißt eine Kultur der Transparenz, der Kollaboration und der Partizipation.

Transparenz beschreibt zum einen die Bereitstellung von Daten, die sich in öffentlicher Hand befinden und keinem Geheimnis- oder Datenschutz unterliegen zum Download für jeden. Umgesetzt wurden solche Datenportale bereits in vielen Ländern und Städten. Transparenz bezieht sich jedoch auch auf die Offenheit von politischen Entscheidungsprozessen (z.B. Stadtplanung, Haushaltsverfahren) sowie auf die Folgen von Entscheidungen. So stellt die US Regierung auf www.recovery.gov ihre Konjunkturinvestitionen und deren Wirkungen ausführlich dar.

Kollaboration wiederum bezieht sich auf eine bessere Zusammenarbeit mit Hilfe des Internets innerhalb einer Behörde, behördenübergreifend oder auch Verwaltungsgrenzen überschreitend. Der IT-Stab im Bundesinnenministerium nutzt ein Wiki, das „digitale Stadtgedächtnis“ von Coburg, wird von Historikern, aber auch von BürgerInnen mit lebendigen Erinnerungen gefüllt. Die Stadt Boston sucht auf Facebook und Twitter gemeinsam mit BürgerInnen nach gestohlenen Fahrrädern.

Partizipation ist das demokratischste Element des Government 2.0 und ohne Transparenz nicht denkbar. Gut informierte BürgerInnen können einen wertvollen Beitrag zur politischen Meinungsbildung leisten. Partizipation reicht von der einfachen Meinungsbefragung zu Wünschen und Ideen von BürgerInnen bis hin zu konkreten Online Beteiligungsverfahren, in denen Haushalte aufgestellt, Maßnahmen priorisiert oder Einsparungsvorschläge bewertet werden. Online-Haushalte gibt es inzwischen schon in vielen deutschen Städten. Die Stadt Essen entwickelte mit BürgerInnen online ein Lärmkataster, entwarf mit online gesammelten Ideen einen Lärmschutzmaßnahmeplan und stellte diesen dann zur Bewertung durch BürgerInnen erneut ins Netz.

Mit Open Government und den Prinzipien von Transparenz, Kollaboration und Partizipation kann ganz offensichtlich Government 2.0 sinnvoll eingesetzt werden.

These 2: Open Government verlangt einen Kulturwandel

Open Government ist nicht Technologie, sondern beruht auf neuen Werten, baut auf ein anderes Selbstverständnis von Verwaltung auf. Diese neuen Werte werden keinesfalls von allen begrüßt. Transparenz schafft mehr Überprüfbarkeit bei gleichzeitigem Kontrollverlust. Das macht Angst. Schwarze Schafe werden es in einem durchsichtigeren Staat genauso schwerer haben sich zu verstecken, wie Menschen, die sich beim Betreten von Neuland davor fürchten, Fehler zu machen. In der digitalen Gesellschaft mit ihrem Beta-Charakter muss jedoch auch eine deutsche Verwaltung mit dem Anspruch der Perfektion lernen, fehlertoleranter zu werden. Das Lernen selbst wird sich verändern – mehr Lernen durch Ausprobieren, mehr Lernen von den jungen Kollegen, mehr Lernen von der Zivilgesellschaft.

Die Erwartungen der BürgerInnen zu erfüllen, direkt und in Echtzeit mit „ihrer“ Verwaltung elektronisch kommunizieren zu können, verlangt ebenfalls große kulturelle Veränderungen. Auf einmal kann jeder Beamte zum Sprachrohr der Behörde werden – viele sehen in diesem Umstand weniger eine Chance, als das Risiko. Last but not least müssen Partikularinteressen überwunden werden, was einen Top-Down-Ansatz erfordert – mit anderen Worten, Richtlinienkompetenz muss in die Waagschale geworfen werden, wenn einzelne Behörden z.B. Geodaten gegen Entgelte verkaufen wollen, die Volkswirtschaft als Ganzes jedoch von kostenfrei zugänglichen Daten mehr profitiert.

These 3: Der Staat ist nicht mehr allein – der Staat bin ich (und Du auch)

Eine der gewaltigsten Veränderungen, die Open Government mit sich bringt, ist das Aufbrechen klassischer Wertschöpfungsketten – also wer letztlich Verwaltungsleistungen entwickelt und erbringt. Dies werden zunehmend Dritte – Bürger, Unternehmen, Zivilgesellschaft. „Crowdsourcing“ ist das Zauberwort, man meint damit die Weisheit der Vielen, die Kreativität der Community. Weltweit gibt es „Apps for Democracy“-Wettbewerbe, bei denen Dritte bürgerzentrierte Anwendungen entwickeln, die öffentliche Daten verknüpfen oder visualisieren. Werte im Umfang von Millionen Dollar wurden hier freiwillig und entgeltlos von der Zivilgesellschaft geschaffen. Bürger können komplexe Verwaltungsprozesse beschleunigen – wie die Genehmigung von Patentanträgen. Die US-Patentbehörde konnte ihre Bearbeitungszeit halbieren, seit sie alle Anträge ins Netz stellt und Nutzer in aller Welt Unterstützung leisten. Manche Prozesse – auch wissenschaftliche – werden erst durch Crowdsourcing machbar – die NASA lässt z.B. BürgerInnen online Krater auf dem Mars kartographieren, ein Unterfangen, das anders nicht finanzierbar gewesen wäre.

Aber Bürgerbeteiligung und Transparenz entstehen mitunter auch ungefragt und zuweilen sogar unerwünscht. Da werden Verschlusssachen auf Wikileaks veröffentlicht und mit Widerstand 2.0 gegen Stuttgart 21 mobil gemacht, das Abstimmungsverhalten Abgeordneter auf dem Parlameter des ZDF ist bequem abrufbar, Sicherheitslücken im neuen Personalausweis werden vom Chaos Computer Club gefunden, Parlamentsbefassungen durch eine zunehmende Anzahl erfolgreicher ePetitionen erzwungen. Ob man mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung will, kann ein Staat also nur bedingt entscheiden. Verhindern oder aufhalten lässt sich dieser Prozess im Zeitalter des Internets nicht mehr.

These 4: Ein Zugang für alle ist das Fundament für eine offenere Gesellschaft

Eine offene Gesellschaft ist offen für alle, nicht nur für Menschen in Großstädten oder Menschen, die Anwälte bezahlen können, um ihr Recht auf Informationsfreiheit zu verteidigen. Ein offener Zugang zu „Public Data“ muss daher auf einer Umkehrung der Norm basieren. Die Norm muss die kostenfreie Veröffentlichung von Daten in mehreren maschinenlesbaren Formaten sein. Abweichungen müssen gut begründet werden und sollten streng reguliert sein. Der künftige Staat ist ein gläserner, ist der maschinenlesbare Staat. Das Informationsfreiheitsgesetz ist ein zahnloser Tiger. Durch umfassende Transparenz als Norm kann es jedoch fast überflüssig werden, lohnen sich auch die Widerstände einzelner Behörden dagegen nicht mehr. Korruption und Verschwendung haben kaum eine Chance in einer solchen Welt. In dieser Art Demokratie wird jeder Bürger potenziell ein Mitarbeiter des Rechnungshofs. Das klingt wie eine Drohung, ist jedoch eine große Chance, da wir aufgrund der immensen Verschuldung der öffentlichen Hand auf die Kreativität aller angewiesen sein werden, um Staatsausgaben zu senken, bei gleichzeitiger Verbesserung der Servicequalität.

Ein offener Zugang ist auch nötig zum staatlich finanzierten Wissen – zu Forschungsergebnissen, die mit Steuergeldern finanziert wurden, ebenso wie zu unserem kulturellen Erbe, das über gute Breitbandverbindungen auch in der Uckermark oder in der Prignitz für jeden zugänglich sein muss. Unser Wissen und unsere kulturellen Schätze sind das Pfund, mit dem Deutschland wuchern kann, sind der Nährboden, auf dem im Land der Ideen die Innovationen entstehen können. Kreative Menschen gibt es jedoch nicht nur an den Universitäten. Wir können uns nicht leisten, diese Schätze nicht zu heben oder nur zum Teil. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die jedem einen Zugang zu all diesen Beteiligungsformen ermöglichen. Open Government ohne eine massive Breitbandinitiative ist daher nur eine halbe Sache und würde viele BürgerInnen vom Demokratiegewinn ausschließen. Alles das ist jedoch nur mit einer gemeinsamen und ehrgeizigen Vision machbar. Diese Vision sollte aus dem Kanzleramt kommen und am Bürgernutzen orientiert sein.

These 5: Open Government lohnt sich – auch wirtschaftlich

Die ideellen Vorteile durch Open Government (Erhöhung der Bürgerzufriedenheit, Akzeptanz-, Image- und Legitimationsgewinn) werden kaum angezweifelt. Aber Open Government hat auch eine rein wirtschaftliche Komponente, die häufig vergessen wird.

Dabei sind z.B. offene Daten eine neue Währung, im Sinne einer neuen Subventionsform. Mit der Öffnung staatlicher Datentresore werden Innovationen angeregt und Wirtschaftswachstum gefördert. Das Land Berlin veranstaltet den ersten deutschen Apps-Wettbewerb „Apps 4 Berlin“ – klar beworben als Maßnahme zur Wirtschaftsförderung. Zahlreiche Studien unterstützen diese Korrelation.

Wenn Verschwendung und Korruption verringert werden, spart dies Steuergelder. Wenn BürgerInnen Ideen für Prozessverbesserungen oder sinnvollere Priorisierung von Investitionen einreichen, spart das auch. Die Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 sind teuer, allein die Polizeieinsätze verschlingen Unsummen – gleichzeitig stehen diese Polizisten nicht für andere Aufgaben zur Verfügung. Immense Ressourcen werden gebunden, wenn Konflikte derart eskalieren – obwohl ein intensiver Beteiligungsprozess solche Eskalationen fast immer verhindern kann. Mehr Kollaboration allein innerhalb der Behörden kann den Zugang zu Expertenwissen erhöhen und damit Einarbeitungszeiten verringern, Job-Rotationen erleichtern und so unter anderem die negativen Folgen des demografischen Wandels in Verwaltungen reduzieren. Ein lebendigerer Austausch zwischen Verwaltungen trotz föderalem System kann Doppelarbeit reduzieren und Best Practices bekannter machen. Alles das führt zu direkten Einsparungen für die Öffentliche Hand.

http://www.freitag.de/positionen/1040-das-einmaleins-des-open-government

Neue Zusammenarbeit beim Government 2.0 Camp vereinbart


Verband GEOkomm und Open Data Networks vereinbaren intensive Zusammenarbeit

GEOkomm Logo
GEOkomm Logo

Potsdam/Köln, 05.10.2010

Der Verband der GeoInformationswirtschaft Berlin/Brandenburg GEOkomm e.V. und der Verein Open Data Network e.V. haben anlässlich des Government 2.0 Camp am 30.09. und 01.10.2010 (www.gov20camp.de/) in Berlin eine intensive Zusammenarbeit vereinbart. Zielsetzung beider Organisationen ist die strukturelle Weiterentwicklung im Bereich Geoinformationswirtschaft und die Koordination bei der Nutzung von öffentlichen Geodaten.

Geoinformationen sind bei Entscheidungen der Politik, in Verwaltung und Wirtschaft eine unverzichtbare Grundlage; Infrastrukturentscheidungen, Sicherheitsfragen, Umwelt- oder Katastrophenschutz benötigen dazu valide Daten. Bund, Länder und Kommunen, ebenso die Wirtschaft sind am Ausbau der Datenbestände interessiert, gleichzeitig wollen sie deren Transparenz und die Partizipation der Allgemeinheit fördern.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind gemeinsame Aktivitäten aller Beteiligter in der Geoinformationswirtschaft unabdingbar. Durch die Zusammenarbeit von GEOkomm und Open Data Networks werden Synergien und gemeinsame „Schlagkraft“ in Hinblick auf deren Durchsetzung generiert.

Beide Organisationen haben zunächst eine gegenseitige Mitgliedschaft vereinbart und werden eine Fachgruppe PSI (Public Sector Information) installieren, die ihre Arbeit demnächst aufnimmt.

Das #G20c ist vorbei … Dank und Ausblick


Das #G20c ist vorbei und es hat uns, da darf ich sicher auch für meine Kollegen Dr. Both und für Herrn Löper aus der Senatsverwaltung für Inneres sprechen, sehr viel Spass gemacht und viele Anregungen gegeben.

Der erste Tag bot den richtigen Rahmen, um das Thema auch weiteren Interessierten gut und professionell zu präsentieren – und insbesondere der Beitrag von Anke Domscheit skizzierte die weite Problemlandschaft ebenso präzise wie er Chancen und Entwicklungsoptionen von open government für beide Seiten aufzeigte.

Immer wieder wurde auch deutlich : wenn es heisst „Verwaltung trifft social media“ bedeutet das auch: da treffen aufeinander auf beiden Seiten Bürgerinnen und Bürger selbst ! Es geht nicht nur um Compter&Daten und deren Austausch und Möglichkeiten – sondern es gibt jetzt eine solche Vielfalt von Anwendungen, Tools und Optionen, dass die soziale Komponente, die Frage der Offenheit der Nutzer viel stärker in den Focus tritt.

Drei komplizierte Themenfelder verlangen m.M. nach einer Bearbeitung und es gab dazu viele,
aber noch nicht ausreichend Lösungsangebote :

1. Die Schere zwischen dem technisch Möglichem und dem real Nützlichen
Komplexe Programme versuchen immer besser, Entscheidungsmöglichkeiten abzubilden, intellektuelle Debatten transparent zu machen und damit Zusammenarbeit zu verbessern. Auf der anderen Seite macht uns gerade die aktuelle Werbung klar: man will nicht verunsichert werden. Zu komplex soll es nicht sein, ein Klick und dann auch schon wieder ran an die leichten Dinge im Leben… Hier ist  der Techniker selbst gefragt, im engen Dialog mit den Nutzern nicht eine Vielzahl von 100 Einsatzmöglichkeiten anzubieten, sondern immer mal wieder auch zu evaluieren, was an dem System hat sich wirklich durchgesetzt, welche der Tasten und Optionen wird am meisten genutzt und was können wir in eben dieser Nutzung verbessern. Zu deutsch: wenn viele schöne Systeme der Kollaboration, der gemeinsamen Textarbeit, aber auch einfache gemeinsame Adressensammlungen nicht genutzt werden, sondern viele weiter ihr kleines blaues Notizbuch haben, muss da auch Technik mal ran an die Nutzer und Anpassung erfolgen.

2. Wem nützen die Daten von gestern ?
Die Schere zwischem dem Vollständigkeitsanspruch an offizielle Texte, Papiere, Analysen und dem
Prozesshaften, Schnellen in der Meinungsbildung wird immer schwieriger. Wem nützen die Daten von 2008, auch wenn sie inzwischen bis ins Letzte Eckchen durchgeprüft sind – wenn sich aktuelle soziale Prozesse viel schneller entwickeln ?
Kann unsere auf Perfektionismus und Vollständigkeit, Rechtssicherheit und Kontrollierbarkeit angelegte Gesellschaft die deutsche insbesondere, sich selbst so wandeln, dass sie das Prozesshafte, Spontane, dieVorläufigkeit annimmt ? ( Schließlich heisst es beim Wahlabend um 18 Uhr auch, dass es sich um vorläufige Daten handelt und diese Form der Zunahme an Sicherheit im Ergebnis über die dann nächsten Stunden ist akzeptiert. )

3. Hierarchische Abstimmung contra Blog nach Mitternacht Vertrauen wird zur neuen Währung
Mit der Option, dass bestimmte Statements und Infos durch das Netz in Sekundenschnelle einmal rund um den Gobus geschickt werden können, steigt nicht die Bereitschaft zur offenen Information, sondern auch die Angst vor zu rascher, ungeprüfter Information. Selbst Projekte mit allergrößtem verbalen Anspruch an Transparenz und Partizipation geraten in die Falle, sich selbst mit restriktiven Mitteln und Sprechverboten schützen zu wollen.
Das klappt selten und meist nicht sehr lange.

Unternehmen wie Verwaltung, Parteien wie politische Aktionsgruppen müssen, umso mehr Mitstreiter selbst im Web aktiv sind,  dies stärker regeln, sie müssen social media guidelines nicht nur entwerfen, sondern auch debattieren und dann in der Praxis erproben.  Der Satz von Jens Best beim etzten UdL Talk, es gehe beim gesamten Thema vor allem Vertrauen, erzeugte bei den Zuhörern Befremden, steht für die meisten doch Rechtssicherheit, Datensicherheit, Regelwerk im Mittelpunkt. In Wirklichkeit ist aber genau das Vertrauen die wichtigste Währung im Umgang mit den neuen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten. Das aber lässt sich nicht automatisch am Bildschirm herstellen, sondern muss auch immer wieder im persönlichen Gespräch, Blick ins Auge, erarbetet werden.

Für genau den letzten Punkt hat das Camp wieder einen wunderbaren Beitrag geleistet.
Wir sind inspiriert und motiviert und gehen nur unseren, am 30. September beschlossenen,
Lokaltermin der Berliner Akteure aus Verwaltung und NGO an… #D2B1 – denn es lohnt sich,
gemeinsam Berlin voranzubringen.

Herzlicher Gruss und bis zum 28. Oktober !

Julia Witt
D2B1 auf Twitter www.twitter.com/D2B1

Wie kann man zwischen dem immer stärker gesamtgesellschaftlichen Wunsch nach Aktualität, nach rascher Kommunikation direkt in die gesellschaftlichen prozesse hinein

Interview mit Dr. Wolfgang Both für die Guten Nachrichten


Gute Nachrichten:
Die Berliner Wirtschaftsverwaltung hat am 15.September einen neuen Wettbewerb gestartet.
Was ist das Ziel dieser Wettbewerbe im Rahmen von „Projekt Zukunft“ und worum geht es bei diesem konkret?

Dr. Both: Wir haben diese Kreativwettbewerbe vor über einem Jahr gestartet, um über die Aktivitäten in den Handlungsfeldern unserer Innovationsstrategie hinaus weitere Interessenten zu aktivieren. Wie die Teilnahme am Games- oder Modewettbewerb gezeigt hat, ist dies auch gelungen. Um die Kreativität der Berliner (und Brandenburger) weiter für neue Lösungen zu nutzen, haben wir jetzt einen Wettbewerb zu mobilen Software-Anwendungen, den Apps, gestartet. Wir erhoffen uns viele interessante Angebote zu Kultur, Bildung, Navigation in der Stadt, aber auch Tourismus und Unternehmen sind Themenfelder.
Daher haben Sponsoren, wie SAP, Cornelsen, Microsoft oder NokaSiemensNetworks sofort zugesagt, diesen Wettbewerb zu unterstützen.

http://www.berlin.de/projektzukunft/wettbewerbe/apps-contest/

Gute Nachrichten:
2. Es gibt gerade für den Bereich IT und Kulturwirtschaft in Berlin immer viel positive Resonanz.
Während an anderer Stelle sich die Regierung erst dann drauf setzt, wenn etwas als breiter Erfolg läuft, wird Berlin und gerade auch
für die aktive Rolle gelobt, dass Prozesse auch angeschoben werden und damit Akteure wie jetzt bei der Music Week auch vernetzt und ermutigt werden. Was soll der apps4berlin Wettbewerb über die Entwicklung konkreter Anwendungen hinaus bewirken ?

Dr. Both: Vor allem möchten wir erreichen, dass die Stadt attraktiver für die Menschen wird, die hier leben, für die Unternehmen, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen, die die Stadt bereichern und natürlich für unsere Millionen Besucher. Diese Potenziale besser verfügbar zu machen und den Kunden als Produzenten mit einzubinden, ist eine Idee dahinter. Natürlich versprechen wir uns von einem solchen Wettbewerb über die Produkte und Preisträger immer auch eine Veränderung der Wahrnehmung des Themas insgesamt.

Gute Nachrichten:
3. Offenbar geht es auch um ein Einwirken auf die Debatte um Offene Daten, das Thema ist noch nicht selbstverständlich und  die Kommunen offenbar alle noch im Diskussionsprozess. Wo steht Berlin im Vergleich und was geschieht aktuell, um die Datenbasis auf eine sinnvolle Plattform zu heben?

Dr. Both: Ja, genau, die Open Data-Thematik steckt da mit drin. (wobei es im Apps4Berlin-Wettbewerb nicht nur um Anwendungen rund um die Daten der öffentlichen Hand geht) Im anglo-amerikanischen Raum sind Open Data-Angebote schon verbreitet, das „Alte Europa“ ist da erst auf dem Weg. Um strukturiert vorgehen zu können, haben wir uns im Sommer entschlossen, zwei Ansätze parallel zu verfolgen: eine Vorstudie durch das FhG-Institut FOKUS und eine Bürgerbefragung. Im Ergebnis sollen dann konkrete Projekte aufgesetzt werden – natürlich in enger Abstimmung mit der Innenverwaltung.

Gute Nachrichten:
4.Für den aktuellen Ansatz, nutzerorientiert zu schauen, welche Daten wirklich abgefordert werden, gibt es seit dem 23.09.2010
ein Online Voting – wo findet man dies ?


Dr. Both: Der Zugang zum Fragebogen mit 20 Kategorien zur Auswahl erfolgt direkt über die Homepage von Berlin.de, linke Spalte (Online-Voting). Alle sind herzlich eingeladen, ihre Favoriten zu wählen. http://www.berlin.de/sen/wtf/voting/opendata.php
Ihr Votum ist gefragt: was ist Ihnen am wichtigsten ? Welche Daten brauchen die Bürger, Nutzer am dringendsten ? Uns
geht es nicht um eine abstraktes Meldung „alle Daten sind online“ – sondern um Service für jene Bürgerinnen und Bürger, die ihn wirklich und am meisten brauchen. Wir sind auch dankbar, dass Community den Link bereits breit verteilt hat und es positive und kritische Hinweise gibt.  Machen sie mit, auf dass klar wird: das Thema interessiert viele und das Interesse ist breit.

Gute Nachrichten:
5. Parallel dazu hat die Senatsverwaltung das Frauenhofer-Institut gebeten, das Thema „Verfügbare Daten Berlins“ zu bearbeiten. Erste Ergebnisse wurden von Frau Prof. Schieferdecker bei der XInnovations am letzten Mittwoch vorgestellt. Worauf zielt das Konzept einer Plattform City Data Cloud Berlin und welche Rolle spielt es für den Wettbewerb?

Dr. Both: Auch wenn das Ergebnis für den Apps4Berlin-Wettbewerb nicht direkt wirksam wird, so haben wir mit der Studie eine Faktenbasis, die uns das Gespräch mit den Fachverwaltungen, den „Herren der Daten“, suchen lässt und die uns Vorgaben macht, wie Daten zukünftig für die digitale Welt zu gestalten sind. Bestandteil der Studie ist auch eine erste strukturierte Erhebung von Datensätzen und Webservices in Berlin. Und damit gibt es zumindest Anregung für Wettbewerbsbeiträge. https://opendataberlin.files.wordpress.com/2010/09/schieferdecker1.pdf

Gute Nachrichten:
6. Berlin ist auf dem Gov2.0 Camp Berlin vertreten ?
Dr. Both:
Ganz sicher, schließlich heisst es ja „Verwaltung trifft Social media“… da sollte eben die Berliner Verwaltung auch engagiert vertreten sein. Ich selbst werde am Donnerstag dabei sein, aus unserer Hausleitung ist Frau Julia Witt dabei und in der Panel Diskussion wird Herr Karl-Heinz Löper aus der Innenverwaltung dabei sein – wir freuen uns auf eine interessante Veranstaltung und neue Anregungen.

www.die-guten-nachrichten-aus-berlin.de

Blog: www.opendataberlin.blogspot.com

Kontakt: Wolfgang.Both@senwtf.berlin.de

Re: Text von Daniel D. ( open data network) zum Wettbewerb


Lieber Daniel,

Du hast Dich im Netz zum neuen „Apps4berlin“ Wettbewerb positioniert und zum Dialog aufgerufen.
http://www.netzpolitik.org/2010/wirtschaftsfoerderung-made-in-germany-apps-4-berlin/#more-16175

Zu den zwei Sätzen, die sich richten gegen Mikrosoft ( die Vermutung, dass
Windows Phone 7 nur wegen des Sponsoring Beitrags auftaucht )
und gegen die eher positive Aufnahme durch das gov 2.0. Netzwerk ( „Ich denke es ist nicht unsere Aufgabe jede Initiative in Deutschland zu bejubeln“ ) sage ich nichts.

Wohl aber widerpreche ich dem erzeugten Eindruck, dass Du jetzt besonders investigativ bist und Lücken gefunden hast,
die die Senatsverwaltung “ da oben“ wohl verschleiern wollte. Das ist falsch.

1. Es ist nicht überraschend, dass die Wirtschaftsverwaltung einen Wettbewerb ausschreibt zur Wirtschaftsförderung !
Was sonst ? Jeder konnte und kann sich ganz und gar transparent einen Eindruck verschaffen. Was die Wettbewerbe „Berlin – Made to Create“ für Ziele haben, steht auf unserer Website, offen: „Die Förderung der Kreativ- und Informationswirtschaft ist eines der Hauptziele der Berliner Wirtschaftspolitik. Wettbewerbe sollen diesen Zukunftsbereichen zusätzliche Impulse geben und die Innovationskraft der Hauptstadtregion stärken. Berlin will die besten Ideen und Konzepte auf Grundlage eines transparenten Verfahrens finden und fördern. Mit der Wettbewerbsreihe „Berlin – Made to Create“ hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen ein Förderprogramm für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und freie Berufe des Clusters Kommunikation, Medien, Kreativwirtschaft ins Leben gerufen.“
http://www.berlin.de/projektzukunft/wettbewerbe/

Dass darüber hinaus auch genau bei diesem Wettbewerb Fragen der sozialen und bürgergesellschaftlichen Nutzung mit eingeflossen sind,
dass die Rede auch von demokratischer Teilhabe ist, ist gut, aber kein Grund, von einer Mogelpackung zu reden.

2. Es ist auch falsch, dass es sich um Mogelpackung „Open Data“ handelt,
abgesehen davon, dass das Wort in der Ausschreibung gar nicht auftaucht. Es wird keinesfalls versucht, mit dem Wort Open data zu operieren, damit mehr Interessenten zu gewinnen oder damit ein Thema abzuhaken, was in Wirklichkeit in Berlin noch nicht gut umgesetzt ist.
Ja, genau so ist es, Berlin ist auf dem Weg wie andere deutsche Städte auch !

3. Es ist nicht überraschend, dass es nicht genug Daten gibt,
ganz im Gegenteil, das hattet Ihr selbst im Sommer bereits festgestellt und dann in eigener Initiative
eine Aktion gestartet am 17. August 2010: „werde Datenpate“ !
http://opendata-network.org/2010/08/openberlin-werde-ein-datenpate/

TExt: „Die gute Nachricht: Anfang September wird die Stadt Berlin in einem Wettbewerb zur Entwicklung spannender Stadt-Anwendungen aufrufen. Ein Thema wird Demokratie sein, also die Nutzung öffentlicher Daten für partizipative Projekte. Die Idee hatten wir auch schon, deshalb würden wir das Projekt gerne unterstützen. Die schlechte Nachricht: Wer dafür eine gute Stadt-App oder einen Mashup bauen will, braucht Daten. Andernorts haben deshalb Städte im Rahmen von Apps4Democracy-Wettbewerben einige ihrer Datenbanken zur Verfügung gestellt. Nicht so Berlin, hier fehlt der Open Data-Aspekt bisher: eine offizielle Freigabe von Daten ist bislang nicht vorgesehen.Das wollen wir ändern.“

Es war Euer Weg, dafür Datenpaten zu finden, die dieses Defizit beseitigen.
Es war der
Ansatz der Senatsverwaltung, von Herrn Dr. Both, das Frauenhofer-Institut zu beauftragen. Und es war die Vereinbarung, sich dazu gegenseitig zu unterrichten, wie im Emailwechsel wieder betont.

Die Liste der Datenpaten hat sich seitdem nicht weiterentwickelt – zumindest ist es mir nicht bekannt.

Frau Prof. Schieferdecker vom Frauenhofer-Institut hat den Fortschritt ihrer Arbeit mit über 100 Datensätzen ( hin zu einer Plattform City Cloud Berlin ) gerade auf der Xinnovations vorgestellt !

http://www.xinnovations.de/internet-der-dienste.html

Ja, da ist noch viel zu tun ! Aber wenigstens ein klitzekleiner Verweis, dass Eure partizipative Aktion auch noch nicht weiter geführt hat,
und es einer gesamten Anstrengung bedarf, wäre ehrlich gewesen bzw. dann gilt es, die nächsten erforderlichen Schritte zu benennen.

4. Warum eine solche Polemik insgesamt kontraproduktiv ist
Ingesamt führt eine Positionierung wie Deine natürlich nicht in die Richtung partizipativen Dialogs,
dass hier Akteure an den Kisten denken: „he, da passiert was, hier müssen wir gemeinsam schauen, was daraus wird“ –
sondern zu Äußerungen wie „Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen führt das Kürzel „WTF“ offenbar zu Recht.“ *
Super gelaufen 😦

Und – das ist vielleicht nicht immer so klar aus der Aktivistensicht und verlangt mehr Gespür für politische Prozesse  –
natürlich sind solche Aktivitäten wie der Wettbewerb auch ein Prozess, bei dem man erstmal den nötigen Druck erzielen will,
dass diesen eben mehr Leute als „nur Daniel Dietrich“ machen, und dass infolgedessen eben auch was passiert !

In diesem Kontext kann es nur ein Miteinander geben, keine Schuldzuweisungen oder einen intellektuellen Wettbewerb zwischen den
an Vorgänge und Zeitverläufe der Verwaltung gewohnten Akteure hier – und den nachts um eins bloggenden Aktivisten.

Mit bestem Gruss
Julia

* noch so ein sinnloser Kommentar: “die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen – ich weiss nicht was man da als Mann zu sagen soll…aber mittlerweile reichts, es gibt schon genug unnötiges xD“ ( wie netzzentriert sind Leute, die so einen Kram schreiben ? Denkt Ihr echt, die Politik fasst Ressort nach Wahlen zusammen, ob das pfiffig klingt oder zufälligerweise in der Nerdcommunity ein Schimpfwort meint ? Absurd )

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